II. GRIFF-VARIANTEN BEI DER MODERNEN VORHANDUm zu verstehen, was im modernen Tennis wirklich geschieht, müssen wir die Griffe der Profis etwas exakter beschreiben. Die Spanne an möglichen Griffen ist größer, als viele Leute denken. Die Unterschiede sind mitunter schwer zu identifizieren. Aber sie haben einen fundamentalen Einfluss auf die Fähigkeiten und den Stil der Topspieler. Der Griff diktiert zu einem großen Teil das Geschehen.
Die Unterscheidung in Eastern, Semi-Western und Western reicht auf Freizeit-Level problemlos aus. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen Thread erstellt (
Klick). Im Profi-Tennis müssen wir genauer sein. Wir werden sehen, dass es mindestens 7 verschiedene Vorhandgriffe gibt, die auf Profi-Level genutzt werden.
Roger Federer und Novak Djokovic befinden sich an den äußeren Enden des Griff-Spektrums. Federer hat den konservativsten Griff von allen, Djokovic hat den extremsten. Die restlichen Spieler befinden sich irgendwo dazwischen. Das alleine zeigt bereits, wie komplex und verschieden das moderne Tennis wirklich ist. In vermutlich keiner anderen Sportart gibt es so eine Bandbreite an Griffen.
Im "Lexikon der Griffe" habe ich eine präzise Methode zur Bestimmung der Griffe vorgestellt. Es ging darum, auf welcher der 8 Flächen sich Zeigefingerknöchel und Handballen (Kleinfingerballen) befinden. Diese Methode nutzen wir auch hier. Wer damit noch nicht vertraut ist, sollte sich zunächst den Griffe-Thread durchlesen. Sonst wird das hier Gesagte schwer verständlich sein.

Die Flächen des Schlägers werden im Uhrzeigersinn durchnummeriert. Entscheidend ist die Position von Zeigefingerknöchel und Kleinfingerballen.Jedem Griff ordnen wir im Folgenden 2 Zahlen zu. Die erste Zahl gibt die Fläche für den Fingerknöchel an, die zweite Zahl ist die Fläche für den Handballen. Diese numerische Bezeichnung ist unmissverständlich und wir müssen uns keine komplizierten Namen merken. Beispiel: Ein "3 / 3" heißt, dass sowohl Zeigefingerknöchel als auch Handballen auf Fläche 3 liegen.
Ich bin mir der Herausforderung dieses Vorhabens bewusst. Es ist nicht immer einfach, auf Fotos die genaue Position der beiden Schlüsselpunkte am Griff zu bestimmen. Man kann den Griff auch nicht einfach anhand der Schwungkurve ableiten, weil die Profis konservative und extreme Elemente im Schwung kombinieren.
Es gibt noch weitere Herausforderungen. Die Profis platzieren ihren Fingerknöchel und / oder ihren Handballen häufig auf den Kanten zwischen den Flächen. Einige Spieler spreizen ihre Finger etwas weiter auseinander, andere Spieler lassen sie nah beisammen. Manche Spieler haben ihre Hand vollständig am Griff, andere lassen einen Teil der Hand weg vom Griff. Außerdem spielen die Profis mit verschiedenen Griffstärken.
All diese Faktoren beeinflussen, wie sich die Hand mit dem Schlägergriff verbindet. Das macht die Analyse schwieriger. Dennoch: Wenn wir genau hinsehen, können wir hinreichend gute Urteile fällen und ein Grundgerüst bilden, das eine Menge Klarheit schafft. Klarheit zu einem Thema, das häufig missverstanden wird. Wir können jederzeit unsere Meinung zu einem Spieler revidieren, wenn wir bessere Bilder finden.
Ist der Griff wirklich so wichtig?Einige von euch fragen sich vielleicht, warum ich so einen Aufwand mache und ob diese relativ kleinen Unterschiede zwischen den Spielern überhaupt bedeutsam sind. Denjenigen sei gesagt: Der Griff hat großen Einfluss auf die Treffpunkthöhe, die Schwungkurve, den Stand und die Schlagarm-Rotation.
Es handelt sich
nicht um eine akademische Uebung, die wir hier machen. Wer verstehen will, wie die Topspieler die komplexen Bestandteile der modernen Vorhand zusammenbringen, muss mit den Unterschieden beim Griff beginnen. Sichtbare Unterschiede im Schwung sind direkt auf die Griffstruktur zurückzuführen. Und der Spielstil eines Spielers wird in hohem Maße vom Griff diktiert.