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Die moderne Vorhand im Tennis – Von A bis Z

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31.07.2009
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18.05.2010 um 12:02 Uhr.
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18.05.2010 um 11:54 Uhr. 
In den letzten Monaten haben wir bereits die einhändige Rückhand (Klick) und die beidhändige Rückhand (Klick) von A bis Z untersucht. Im dritten Teil meiner Serie zum modernen Tennis widmen wir uns der Vorhand. Wir werden sehen, wie "klassisch" die "moderne" Vorhand eigentlich ist und zu welchen Unterschieden die verschiedenen Griffe führen. Am Ende sollte keine Frage offen bleiben.

Wir beginnen mit den Gemeinsamkeiten, die alle Profis teilen. Anschließend untersuchen wir die verschiedenen Griffe, um die Unterschiede zu verstehen. Und natürlich gebe ich euch an entsprechender Stelle auch wieder ein paar Tipps zum Aufbau bzw. zur Verbesserung eurer eigenen Vorhand. Der Thread wird sich in den nächsten Wochen langsam entwickeln. Falls es Fragen / Kommentare eurerseits gibt, so schreibt sie bitte in den Fragenthread, damit der Lesefluss hier beibehalten werden kann. Danke!

Videos: Agassi, Baghdatis, Berdych, Blake, Borg, Cilic, Clijsters, Davydenko, Dementieva, Djokovic, Federer, Gonzalez, Haas, Hewitt, Ivanovic, Jankovic, Kohlschreiber, Ljubicic, Moya, Murray, Nadal, Nalbandian, Roddick, Safin, Sharapova, Söderling, Tsonga, Verdasco, Wawrinka, Williams, S., Williams, V., Wozniacki
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30.06.2010 um 12:21 Uhr
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18.05.2010 um 12:00 Uhr
#1
Agenda

I. Gemeinsamkeiten

1. 1 Körperdrehung
1. 2 Schlagschritt
1. 3 Schlagarm-Haltung
1. 4 Schlussposition

II. Griff-Varianten

2. 1 Konservative Griffe
2. 2 Extreme Griffe

III. Rückschwung

3. 1 Größe des Rückschwungs
3. 2 Bewegung nach hinten
3. 3 Bewegung zur Seite
3. 4 Schlägerrotation
3. 5 Schließen der Schlagfläche im Abschwung
3. 6 Timing beim Erreichen der Schlagarm-Position
3. 7 Gemeinsamkeiten

IV. Vorwärtsschwung

4. 1 Winkel der Schlagfläche
4. 2 Schulterrotation
4. 3 Hand- und Armrotation

V. Schlagvariationen

5. 1 Aus dem Lauf
5. 2 Mehr Spin
5. 3 Spitze Winkel
5. 4 Tiefe Bälle
5. 5 Schlussfolgerungen

VI. Ausrichtung zum Ball

6. 1 Kontrolle der Treffpunkthöhe
6. 2 Neutraler Stand
6. 3 Offener Stand

VII. Ausschwung

7. 1 Streckung
7. 2 Hand- und Armrotation
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19.05.2010 um 13:37 Uhr
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18.05.2010 um 12:11 Uhr
#2
I. GEMEINSAMKEITEN

1. 1 Körperdrehung


Beginn der Drehung ("Unit Turn")

Alle Spieler beginnen den Schlag mit der Drehung des Körpers, d. h. sie drehen Füße und Oberkörper zur Seite. Es gibt währenddessen keine unabhängige Bewegung der Arme oder des Schlägers. Der Körper dreht sich als eine Einheit zur Seite. Meistens wird dies erreicht, indem der äußere Fuß (rechter Fuß für Rechtshänder) einen Schritt / eine Drehung zur Seite macht, sodass die Zehenspitzen zur Seitenauslinie zeigen.

Diese Phase der Drehung wird häufig als "Unit Turn" bezeichnet. Sie dauert an, bis die Schultern etwa 45° zur Grundlinie sind. Die Spieler erreichen währenddessen also bereits gut die Hälfte ihrer Schulterdrehung. Die Arme und der Schläger drehen sich automatisch mit dem Körper mit. Sie sind so weit es geht passiv.


Baghdatis dreht Füße und Schultern gemeinsam zur Seite. Der Schläger
schwingt noch nicht zurück.


Einige Spieler heben ihren Ellenbogen leicht an oder machen eine leichte Bewegung mit ihren Händen. Das ist allerdings belanglos. Bei allen Spielern bleiben die Hände während dieser Phase zusammen. Die linke Hand befindet sich die ganze Zeit am Schlägerhals. Der Lehrsatz "den Schläger so früh wie möglich zurückzunehmen" ist veraltet. Im Thread zur beidhändigen Rückhand habe ich dies bereits ausführlich begründet.

Der "Unit Turn" dauert durchschnittlich nicht länger als 0,2 Sekunden. Die Spieler beginnen mit der Körperdrehung, sobald sie erkennen, auf welche Seite der Ball kommt. Die Drehung geht allen anderen Bewegungen zum Ball voraus, selbst wenn ein langer Laufweg zu absolvieren ist. Es besteht auch keine Abhängig zum Griff. Jeder Spieler macht den "Unit Turn".

Im folgenden Video könnt ihr Andre Agassi studieren: Der Unit Turn von Andre Agassi
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18.05.2010 um 12:37 Uhr
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18.05.2010 um 12:18 Uhr
#3
Vollendung der Drehung

Wenn der "Unit Turn" abgeschlossen ist, drehen sich die Schultern weiter nach hinten. Der Uebergang in diese Phase geschieht gewöhnlich nahtlos, d. h. fortlaufend und ohne Pause. Das gilt selbst dann, wenn der Spieler nach Beginn der Drehung mit der Bewegung zum Ball begonnen hat.

Einzige Ausnahmen: Wenn der Spieler einen langen Laufweg quer über den Platz machen muss. Oder wenn er mehrere Schritte um den Ball herum macht, um ihn Inside-Out oder Inside-In zu schlagen. In diesen beiden Fällen kann eine wahrnehmbare Pause nach dem "Unit Turn" entstehen. Diese Pause sollte allerdings natürlich geschehen und nicht bewusst herbeigeführt werden.

Bei Vollendung der Drehung haben sich die Schultern der Profis gewöhnlich 90° oder etwas mehr vom Netz weggedreht. Der Kopf hat sich nicht mitgedreht, er ist nach vorne gerichtet und die Augen schauen auf den Ball. Das Kinn befindet sich in diesem Moment über der linken Schulter.

Während sich die Schultern im Rückschwung drehen, streckt sich der linke Arm zur Seite hin aus. Er zeigt zum Zaun / zur Tribüne. Der Arm kann komplett gestreckt sein, oder leicht gebeugt im Ellenbogen. Er kann etwas höher oder etwas tiefer sein, leicht nach oben oder leicht nach unten zeigen. Das hängt ganz vom Spieler ab. Es handelt sich um individuelle Unterschiede.


Vollständige Drehung: Die Schultern sind etwas mehr als 90° zum Netz, die Augen fixieren den Ball,
der linke Arm hat sich ausgestreckt.
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19.05.2010 um 13:37 Uhr
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18.05.2010 um 12:27 Uhr
#4
Rückschwung

Zwischen dem "Unit Turn" und der vollständigen Drehung führen die Spieler auch ihren Rückschwung durch. Manche Spieler separieren ihre Hände gleich zu Beginn des Rückschwungs. Andere Spieler lassen ihre linke Hand noch etwas länger am Schlägerhals. Agassi nahm seine linke Hand erst dann vom Racket, wenn die Hände Schulterhöhe erreichten. Hewitt macht es genauso.

Diese Variation ist möglicherweise nicht weiter von Bedeutung. Wichtig ist: Wenn sich die Hände separieren, streckt sich der linke Arm zur Seite hin. In der Zwischenzeit bewegt sich die Schlaghand in einer Art Schleifenbewegung aufwärts. Die genaue Position der Schlaghand am Ende der Drehung kann stark variieren. Es kommt ganz auf den Spieler und den beabsichtigten Schlag an:

Manche Spieler erreichen den höchsten Punkt im Rückschwung in jenem Moment, in dem sie ihre Drehung vervollständigen. Ihre Schlaghand ist deshalb höher. Lleyton Hewitt und Novak Djokovic sind zwei Beispiele hierfür. Andere Spieler (z. B. Stanislas Wawrinka) weisen eine etwas niedrigere Handposition auf und haben den Schläger schon ein klein wenig abgesenkt, wenn sie ihre maximale Drehung erreichen. Die Handposition kann auch variieren, wenn die Spieler in Bewegung sind und ihren Schwung etwas kompakter durchführen. Später mehr dazu.


Wawrinka erreicht seine maximale Schulterdrehung i. d. R.
etwas später als Djokovic.


Fassen wir kurz zusammen. Wenn die Profis ihre maximale Drehung erreichen, können wir folgende Dinge identifizieren:

-> Die Schultern sind etwas mehr als 90° gedreht
-> Die Augen sind auf den Ball gerichtet, das Kinn ist über der linken Schulter
-> Der linke Arm zeigt zum seitlichen Zaun / zur Tribüne
-> Die Schlaghand befindet sich auf Schulterhöhe oder darüber

Es spielt keine Rolle, ob man Gonzalez, del Potro, Federer oder Roddick heißt. Alle Spieler teilen diese Gemeinsamkeiten. Es gibt nur geringfügige Variationen.

Timing

Ein weiterer wichtiger Faktor bei der vollständigen Drehung ist das Timing. Wie bereits angedeutet, dauert der "Unit Turn" lediglich um die 0,2 Sekunden. Die anschließende Phase bis zum Punkt der vollständigen Drehung dauert etwa weitere 0,3 Sekunden. Zusammengenommen dauert die Vorbereitungsphase also nur um die 0,5 Sekunden! Eine technisch perfekte Vorbereitung allein reicht nicht aus. Sie muss auch zügig erfolgen. Im Amateurbereich ist zu langsame oder unvollständige Vorbereitung vielleicht das größte Problem überhaupt.

In vielen Fällen erreichen die Profi-Spieler ihre vollständige Drehung in dem Moment, in dem der Ball auf ihrer Seite des Platzes aufspringt. Auf Klub-Level sollte es das Ziel sein, dies auch zu schaffen. Ein Gefühl von Eile muss da sein. Viele Amateure beginnen ihre Vorbereitung erst, wenn der Ball aufspringt. Dadurch sind sie chronisch gehetzt und spät dran. Meistens schlagen sie den Ball dann aus dem Arm.


Die Drehung muss bereits komplett
sein, wenn der Ball aufspringt.

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19.05.2010 um 13:48 Uhr
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19.05.2010 um 13:45 Uhr
#5
1. 2 Schlagschritt

Neben der Drehung gibt es eine zweite große Gemeinsamkeit in allen Vorhandschlägen: Der Schlagschritt. Damit meinen wir den etwas längeren letzten Schritt zum Ball und das Vordehnen des rechten Beins. Erneut gibt es eine charakteristische Position, welche die Topspieler aufweisen, wenn sie genügend Zeit haben, um sich zum Ball zu stellen.

Der äußere Fuß spielt dabei die entscheidende Rolle. Für Rechtshänder ist dies der rechte Fuß, für Linkshänder der linke. Der äußere Fuß ist zur Seite gedreht. Er kann parallel zur Grundlinie sein oder in einem Winkel zwischen 30 und 45 Grad zum Netz zeigen (s. Stepanek). Der Großteil des Körpergewichts liegt auf diesem Fuß. Er ist typischerweise komplett auf den Boden aufgesetzt. Der Oberkörper ist von der Taille aufwärts mehr oder weniger gerade.


Mit dem letzten Schritt bringt sich Stepanek in Position für den Schlag.

Es gibt eine beachtliche Kniebeuge im äußeren Bein. Sie kann bis zu 45° betragen. Dadurch wird das Bein vorgedehnt. Dieses Vordehnen ist entscheidend in der modernen Vorhand. Einerseits für das Erzeugen von Power, andererseits zur Kontrolle der Treffpunkthöhe. Später mehr dazu.

Der andere Fuß (linker Fuß für Rechtshänder) ist ebenfalls zur Seite gedreht, zumindest teilweise. Er befindet sich meistens etwas weiter vorne als der äußere Fuß. Gewöhnlich hat nur die Fußspitze Bodenkontakt, um in Balance zu bleiben.

Die Spieler richten ihren Körper mit dem Schlagschritt ziemlich nahe an der Linie des ankommenden Balls aus. Deshalb sagt man, sie positionieren sich "hinter den Ball". In dieser Position sind sie bereit für den Schlag. Sie müssen keine weiteren Anpassungen mehr in ihrer Ausrichtung machen.

Der Abstand zwischen den Füßen steht im Zusammenhang mit dem verwendeten Stand. Beim offenen Stand sind die Füße gewöhnlich schulterbreit oder etwas weiter auseinander. Der linke Fuß kann aber auch deutlich näher beim rechten Fuß sein, wenn der Spieler einen Schritt nach vorne beabsichtigt. Wir werden die Beinarbeit später noch detailliert untersuchen.
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20.05.2010 um 14:06 Uhr
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19.05.2010 um 13:59 Uhr
#6
Timing des Schritts

Das Erreichen der beschriebenen Position kann zeitlich zusammenfallen mit dem Erreichen der vollständigen Drehung. Das ist bei solchen Schlägen der Fall, bei denen nur eine geringe oder gar keine Bewegung zum Ball nötig ist. Der tiefste Punkt der Kniebeuge und die maximale Schulterdrehung werden dann etwa zur gleichen Zeit erreicht.

Die grundsätzliche Reihenfolge ist jedoch wie folgt: Beginn der Drehung (Unit Turn), Fertigstellung der Drehung, danach unverzüglich Schlagschritt und Kniebeuge. Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass die Drehung und der Schlagschritt (Einnahme des Stands + Kniebeuge) eigentlich unabhängig voneinander sind. Wenn sich der Spieler erst zum Ball bewegen muss, geschehen sie gewöhnlich nicht zur gleichen Zeit.

Je weiter der Laufweg, umso vergleichsweise später erfolgt der Schlagschritt. Beispiel: Nehmen wir an, Spieler XY muss zwei Schritte zum Ball machen. Wenn er den Schlagschritt macht, ist der höchste Punkt im Rückschwung bereits überschritten. Die Schlaghand beginnt schon mit dem Abwärtsschwung, der linke Arm bewegt sich am Körper vorbei nach links, während die Vorwärtsrotation des Torsos beginnt.

Wenn der Laufweg noch länger ist, kann sich der Schläger im Moment des Schlagschritts fast schon im tiefsten Punkt des Rückschwungs befinden und der linke Arm Richtung Netz zeigen.

Darum ist es so wichtig, den Beginn und die Fertigstellung der Drehung als die ersten beiden Bewegungen zu lernen. Wenn man versuchen wollte, sie immer mit der Schlagschritt zu kombinieren, wäre man bei den meisten Bällen zu spät dran.


Aus dem Lauf kann sich der Zeitpunkt des Schlagschritts ändern. Die Unterschiede liegen in der Position des
linken Arms, der Höhe der Schlaghand und der Rotation des Torsos.


Bei Schlägen aus dem Lauf heraus stehen die Profis natürlich nicht still. Dennoch bewegen sie sich in fast allen Fällen durch die beschriebene Position. Jene Position, in der das Gewicht auf dem äußeren Fuß liegt und das Knie etwas tiefer gebeugt ist. Man muss genau hinschauen, um die Schrittmuster der Topspieler zu erkennen.

Wenn die Profis zum Ball laufen, bewegen sie sich hauptsächlich auf den Fußballen und / oder den Zehenspitzen. Das ändert sich, wenn sie den Schlagschritt machen. Beim letzten Schritt zum Ball setzt die Verse zuerst auf (s. Monfils). Das ist eine Art "Abbremsschritt", der die Bewegung etwas verlangsamt. Während die Profis abbremsen, beugen sie das rechte Knie und dehnen dadurch die Muskeln vor. Selbst wenn die Spieler mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sind, machen sie den Schlagschritt. Dieser Abbremsschritt und die zusätzliche Kniebeuge sind enorm wichtig, um effektiv aus der Bewegung heraus schlagen zu können.
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21.05.2010 um 14:18 Uhr
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20.05.2010 um 14:15 Uhr
#7
1. 3 Schlagarm-Haltung

Die nächste Gemeinsamkeit ist die Position von Arm und Schläger am Ende des Rückschwungs. Fast alle Top-Spieler erreichen dieselbe Position, ehe der Schläger mit der Bewegung zum Ball beginnt. Form und Größe des vorangegangen Rückschwungs spielen dabei keine Rolle.

Wenn der Schläger abgesenkt wird und den tiefsten Punkt im Rückschwung erreicht, nimmt der rechte Arm eine charakteristische Haltung an. Er weist 2 Merkmale auf, die bei allen Griffarten weit verbreitet sind:

1. Der Ellenbogen ist gebeugt und zum Torso hin eingeschlagen
2. Das Handgelenk ist zurückgedehnt.

Diese Position nennt man "double-bend", weil der Arm an zwei Stellen gebeugt ist. Nämlich dem Ellenbogen und dem Handgelenk. Der "double-bend" ist fast universell bei den modernen Spielern. Eine Ausnahme sind Federer und Nadal, die zumeist mit geradem Arm spielen. Aber auch bei ihnen ist der Ellenbogen manchmal gebeugt.


Der Ellenbogen ist gebeugt und das Handgelenk zurückgedehnt, wenn die Spieler zum Treffpunkt schwingen.

Der genaue Winkel, in dem der Ellenbogen und das Handgelenk gebeugt sind, kann etwas variieren. Das hängt vom Spieler ab und von der Höhe des Balls. Wichtig ist nur, dass die charakteristische Haltung des Schlagarms erreicht wird. Denn sie ermöglicht, dass die Handfläche den Schläger durch den Treffpunkt und darüber hinaus lenken kann. Außerdem gelangt der Schlägerkopf in die richtige Position für den Aufwärtsschwung zum Ball. Das ist wichtig, um Topspin erzeugen zu können.

Schlechte Tennistipps

Jeder hat schon mal den Rat bekommen, den Schlägerkopf weit unterhalb des Balles abzusenken, um Topspin zu erzeugen. Dieser Tipp ist allerdings ungenau. Videoanalysen zeigen, dass der Schlägerkopf zu Beginn des Vorwärtsschwungs gewöhnlich nur leicht unterhalb des Balles ist. Das ist sogar bei jenen Profispielern der Fall, die phänomenale Spinraten von über 3000 Umdrehungen / Minute erzielen.

Es geht nicht darum, den Schläger weit unterhalb des Balles abzusenken. Es geht vielmehr darum, am Ende des Rückschwungs die charakteristische Schlagarm-Position zu finden. Wer den Schläger absichtlich noch weiter nach unten absenkt, erschwert sogar die Erzeugung von Spin. Außerdem reduziert oder zerstört er die Power und die Konstanz seiner Vorhand.

Wenn wir uns den fortgeschrittenen Elementen der Vorhand widmen, werden wir genauer verstehen, warum die Schlägerspitze manchmal stark nach unten zeigt. Einige Spieler drehen ihren Arm nämlich nach hinten. Dabei bleibt der "double-bend" allerdings intakt. Die Rückwärtsdrehung hat das Ziel, die Vorwärtsdrehung zum Treffpunkt hin zu vergrößern. Dadurch entsteht mehr Spin. Später mehr dazu.

Für den Moment halten wir fest: Die Hauptfunktion des Rückschwungs ist es, den Schlagarm in die richtige Position für den Vorwärtsschwung zu bringen. Fast alle Spieler haben ihren Schlagarm zu Beginn des Vorwärtsschwungs in der charakteristischen "double-bend"-Position. Ihr Ellenbogen ist gebeugt und ihr Handgelenk ist zurückgedehnt. Diese Haltung bringt den Schläger optimal in Position, um den Ball mit viel Power spielen zu können und soviel Spin wie nötig zu entwickeln. Präzision und Konstanz der Vorhand hängen unmittelbar davon ab.
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26.05.2010 um 11:50 Uhr
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21.05.2010 um 14:36 Uhr
#8
Treffpunkt

Die Haltung des Schlagarms bleibt im Wesentlichen unverändert, wenn die Profis nach vorne und nach oben zum Treffpunkt schwingen (Klick). Auch bei den Westerngriffen ist dies der Fall.


Das Handgelenk ist im Treffpunkt immer noch zurückgedehnt.

Der genaue Winkel, in dem das Handgelenk zurückgedehnt ist, kann variieren. Er kann leicht abnehmen, während die Handfläche den Schläger nach vorne führt. Aber grundsätzlich gilt: Bei fast jeder Vorhand der Profis bleibt das Handgelenk im Treffpunkt zwischen 45 und 60 Grad zurückgedehnt. Manchmal sind es sogar fast 90 Grad.

Interessanterweise gilt dies auch für tiefe Bälle nahe dem Netz. Das Handgelenk bleibt zurückgedehnt, wenn die Spieler den Ball liften. Es sieht nur so aus, als ob sie ihr Handgelenk radikal rollen.


Auch bei tiefen Bällen bleibt das Handgelenk
zurückgedehnt.


Passives Handgelenk

"Ellenbogen gebeugt, Handgelenk zurückgedehnt." Das ist ein wichtiger Merksatz für die moderne Vorhand. Es gibt kein bewusstes Schnappen im Treffpunkt. Der Arm sollte locker und entspannt sein. Selbiges gilt für den Griff. Man sollte den Schläger nur so fest halten, dass er einem nicht aus der Hand rutscht. Das Handgelenk ist passiv: Jede sichtbare Vorwärtsbewegung ist die natürliche Konsequenz des Schwungs. Es ist kontraproduktiv für die Erzeugung von Power und Spin, wenn man versucht, sein Handgelenk in irgendeiner Form einzusetzen.

High-Speed-Aufnahmen zeigen, dass die Topspieler ihre Schlagarm-Position am Ende des Rückschwungs einnehmen. Während sie den Schläger nach vorne zum Treffpunkt bewegen, bleibt die Armhaltung grundsätzlich intakt. Manchmal kann die Stärke der Handgelenksdehnung (und damit der Winkel zwischen Schläger und Unterarm) etwas zurückgehen, während der Schläger nach vorne zum Ball kommt. Das ist jedoch selten der Fall. Aber wenn es passiert, dann ist es der Tatsache geschuldet, dass die Spieler so entspannt wie möglich im Arm sind. Die Bewegung ist dann die natürliche Konsequenz des Schwungs nach vorne. Gleich mehr dazu.

Gäbe es ein bewusstes Vorschnappen oder eine gezielte Muskelkontraktion im Treffpunkt, würde sich der Winkel zwischen Schläger und Unterarm kurz vor und nach dem Treffpunkt radikal ändern. Denkt mal drüber nach: Wenn ein Spieler sein Handgelenk wirklich komplett vorschnappt, würde der Ball im linken Seitenzaun landen. Tatsache ist: In den dutzenden Videos, die ich gesehen habe, bleibt das Handgelenk im Wesentlichen zurückgedehnt - und zwar sowohl vor, als auch kurz nach dem Treffpunkt. Manchmal dehnt es sich nach dem Treffpunkt sogar noch etwas weiter zurück. Die Rückwärtsdehnung nimmt zu, weil es zum Ballkontakt kam und der Arm in diesem Moment total entspannt war.

Die High-Speed-Aufnahmen zeigen weiterhin, dass die Topspieler die Armposition mit dem zurückgedehnten Handgelenk auch dann noch aufweisen, wenn Schläger und Schlaghand sich längst durch den Treffpunkt bewegt haben. Das betrifft typischerweise die ersten 50 cm im Ausschwung. Erst danach verliert der Schlagarm langsam seine charakteristische Form.

Als Spieler sollte man ein Bild dieses Prozess vor dem geistigen Auge haben. Man muss verinnerlichen, wie die Handfläche den Schläger vom Rückschwungende ausgehend nach vorne und durch den Treffpunkt hindurch führt. Das ist möglicherweise das wichtigste technische Element der Vorhand.
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26.05.2010 um 11:56 Uhr
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26.05.2010 um 11:55 Uhr
#9
Ein entspanntes Handgelenk ist elastisch

Wie bereits angedeutet, kann der Grad der Handgelenksdehnung im Vorwärtsschwung bei manchen Spielern leicht abnehmen. Wie erklärt sich das?


Federers Handgelenk hat sich im Schwung zum Ball leicht nach vorne
bewegt.


Nun, ein entspanntes Handgelenk ist so elastisch wie ein Gummiband. Es hilft bei der Beschleunigung durch den Ball. Wenn ihr euer Handgelenk fest macht, verliert es seine Elastizität. Wenn ihr es jedoch locker lasst, funktioniert es wie ein Scharnier: Es dehnt sich zurück, wenn der Vorwärtsschwung beginnt. Wenn der Schläger nach vorne gelangt, wird die Hand "freigegeben" und für einen kurzen Moment setzt sich die Schlägerbeschleunigung durch den Ball fort. Wie groß die Beschleunigung genau ist, darüber lässt sich diskutieren. Aber es dieser "Katapulteffekt", der entsteht, wenn man Elastizität im Handgelenk zulässt.
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28.05.2010 um 13:38 Uhr
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26.05.2010 um 12:05 Uhr
#10
1. 4 Schlussposition

Bei Routine-Schlägen erkennt man im Ausschwung eine Position, die bei allen Profis vorhanden ist: Die Schlussposition. Damit meinen wir den letzten Moment, in dem sich der Schläger vorwärts und / oder aufwärts Richtung Ziel bewegt. Die Vorwärtsbewegung ist in diesem Moment vollendet. Anschließend bewegt sich der Schläger nach hinten bzw. nach unten.

Die Schlussposition ist das letzte große gemeinsame Element, welches wir bei Vertretern sämtlicher Griffe finden. Schon in der klassischen Vorhand spielte diese Position stets eine Schlüsselrolle.

Es gibt ein paar Kontrollpunkte, nach denen man Ausschau halten kann: Die Schlaghand ist in etwa auf Augenhöhe. Sie befindet sich vor dem Körper, grob gesagt auf einer Linie mit der äußeren linken Seite des Torsos. Der Unterarm ist zwischen 30 und 45 Grad zum Platz. Der Oberarm ist in etwa parallel zum Platz.


Die Schlussposition ist der letzte Moment des Vorwärtsschwungs, ehe der
Schläger nach hinten bzw. unten schwingt.


Die Profis erreichen die Schlussposition bei einem hohen Prozentsatz ihrer Vorhände: bei Bällen aus der Platzmitte, bei Schlägen Inside-Out oder Inside-In, bei kurzen Bällen, und sogar bei vielen Bällen aus dem Lauf heraus. Selbst Roddick, der soviel Variation in seinem Schwungmuster hat wie kein anderer Spieler, schwingt regelmäßig durch diese Position.

Und was ist mit dem Lasso-Ausschwung á la Nadal?

Ja, es gibt Variationen. Man findet Beispiele von Spielern mit extremen Griffen, die den Schläger niedriger ausschwingen. Manchmal so niedrig, dass der Schläger auf Höhe der Taille endet. Das ist die natürliche Konsequenz der Westerngriffe.

Nadal nutzt den Lasso-Ausschwung sehr häufig, bei dem er den Schläger über den Kopf und nach links zieht. Pete Sampras hat dies schon vor Nadal gemacht. Er war bekannt dafür, dass er seine Vorhände aus dem Lauf heraus auf diese Weise schlug.


Nadal beim Lasso-Ausschwung

Allerdings lässt sich sagen: Diese Ausschwung-Varianten entstehen aufgrund der Länge des Balls, der Höhe und dem Spin des Balls, und dem Winkel, den der Spieler schlägt. Die oben genannten Kontrollpunkte gelten für Vertreter sämtlicher Griffe beim normalen Vorhand-Treibschlag.

Damit sage ich nicht, dass der Schlag bei allen Spielern identisch endet. Mit den extremen Griffen ist die Armrotation stärker ausgeprägt. Das ist der größte Unterschied. Die Armrotation ist auch mitverantwortlich für die Unterschiede in der Schwungkurve, welche wir mit den extremen Griffen beobachten können. Später mehr dazu. Dennoch ist die Schlussposition eine echte Gemeinsamkeit. Wenn man sieht, dass derart viele Topspieler die oben genannten Kontrollpunkte so häufig einhalten, kann man bedenkenlos von einer Gemeinsamkeit sprechen. Wir werden später noch darauf zurückkommen.
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28.05.2010 um 13:44 Uhr
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28.05.2010 um 13:43 Uhr
#11
Streckung zum Ziel

Ein wichtiger Punkt im Zusammenhang mit der Schlussposition ist die Streckung zum Ziel. Schaut euch die Position der Hände und des Schlägers in Relation zum Oberkörper an. Daran erkennt ihr die Vorwärtsstreckung. Die Schlaghand ist typischerweise zwischen 30 und 60 cm vor dem Oberkörper. Die Vorwärtsstreckung ist bei praktisch allen Topspielern in der Schlussposition zu erkennen. Sie ist auch dann vorhanden, wenn die Profis die oben genannten Kontrollpunkte einmal nicht (exakt) erreichen.


Die Streckung zum Ziel ist ein wichtiger, aber oftmals übersehener Bestandteil
der Vorhand.


Die Wichtigkeit der Vorwärtsstreckung im Anschluss an den Treffpunkt wird häufig unterschätzt. Viele Amateure sehen, wie die Profis den Schläger um den Körper "herumwickeln" und imitieren diese Bewegung. Sie vernachlässigen die unmittelbar vorausgehende Streckung nach vorne. Sie schwingen ihre Hand zu nah am Torso und reißen den Schläger gewaltsam rum.


Viele Freizeitspieler bekommen keine gute
Streckung.


Erst nachdem die Profis ihre Vorwärtsstreckung komplettiert haben, "wickelt" sich der Schläger um den Körper herum und das Griffende zeigt nach vorne. Viele meiner Schüler sehen darin die Ursache für die enorme Schlägerkopf-Beschleunigung der Profis. Das verleitet sie dazu, ihre Vorwärtsstreckung stark zu limitieren. Leider ist das genaue Gegenteil richtig.

Studien haben gezeigt, dass die Schlägerkopf-Geschwindigkeit radikal abnimmt, während der Schläger nach hinten bzw. nach unten schwingt. Sie geht runter bis auf etwa 8 km/h. Manchmal sogar noch weiter. Das ist ein Bruchteil der Geschwindigkeit, die im Treffpunkt erreicht wird. Und immer noch deutlich weniger als in der Schlussposition.

Das ergibt bei genauerem Nachdenken auch Sinn. Der Schläger wird zum Treffpunkt hin enorm beschleunigt. Auf irgend eine Weise muss er wieder verlangsamt werden. Dies geschieht, indem die Spieler ihn um den Körper herum ausschwingen. Es passiert ganz automatisch. Das Rumschwingen dient dazu, die Vorhand gleichmäßig zu verlangsamen. Man darf diese Bewegung nicht erzwingen. Sonst steigt womöglich das Verletzungsrisiko.
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31.05.2010 um 13:47 Uhr
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28.05.2010 um 13:50 Uhr
#12

Erst nach der Streckung wickelt sich das Racket um den Körper herum.

Um es noch einmal klar zu sagen: Das Rumschwingen des Schlägers (engl. "wrap") ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Vorhand. Man darf Beschleunigung und Verlangsamung allerdings nicht durcheinander bringen. Die meisten Spieler schwingen den Schläger automatisch herum. Es ist die Konsequenz aus ihrer Streckung im Schwung. Der Schläger wird dabei geschmeidig verlangsamt. Das ist wichtig, um eine zusätzliche Belastung der Schultermuskeln zu verhindern.

Schlagarm nach vorne strecken, Schläger rumschwingen. So ist die Reihenfolge. Viele Nachwuchsspieler erreichen keine gute Vorwärtsstreckung. Das ist der Grund, warum viele dieser Spieler den Ball heftig zwirbeln, aber wenig Geschwindigkeit und Länge bekommen.

Selbst Teaching-Pros denken oftmals, dass der Ausschwung um den Körper herum ein neues Element im Schlag ist, welches es früher noch nicht gab. Das stimmt jedoch nicht. Schon zu Bill Tildens Zeiten gab es diesen Ausschwung. Neu ist lediglich das Ausmaß, in dem sich der Schläger um den Körper "wickelt". Die Westerngriffe lassen es dramatischer aussehen. Speziell bei den niedrigeren Ausschwüngen nach unten.

Sollte man diesen Ausschwung lehren? Nun, meiner Erfahrung nach führt dies unweigerlich zu Einschränkungen in der Vorwärtsstreckung. Die einzige Ausnahme wäre, wenn der Schüler einen extrem steifen Schwung hat. Und selbst dann läge der Fokus darauf, den Arm zu entspannen und das Rumschwingen einfach geschehen zu lassen, und nichts zu erzwingen.

Zwischenfazit


Wie wir gesehen haben, gibt es eine Reihe von Gemeinsamkeiten in der modernen Vorhand, die unabhängig vom verwendeten Griff sind. Namentlich:

- die Drehung
- der Schlagschritt
- die Schlagarm-Haltung und
- die Schlussposition

Als nächstens untersuchen wir die Unterschiede im Schwung. Dazu müssen wir zunächst einen genaueren Blick auf die Griffe werfen.
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31.05.2010 um 13:57 Uhr
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31.05.2010 um 13:47 Uhr
#13
II. GRIFF-VARIANTEN BEI DER MODERNEN VORHAND

Um zu verstehen, was im modernen Tennis wirklich geschieht, müssen wir die Griffe der Profis etwas exakter beschreiben. Die Spanne an möglichen Griffen ist größer, als viele Leute denken. Die Unterschiede sind mitunter schwer zu identifizieren. Aber sie haben einen fundamentalen Einfluss auf die Fähigkeiten und den Stil der Topspieler. Der Griff diktiert zu einem großen Teil das Geschehen.

Die Unterscheidung in Eastern, Semi-Western und Western reicht auf Freizeit-Level problemlos aus. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen Thread erstellt (Klick). Im Profi-Tennis müssen wir genauer sein. Wir werden sehen, dass es mindestens 7 verschiedene Vorhandgriffe gibt, die auf Profi-Level genutzt werden.

Roger Federer und Novak Djokovic befinden sich an den äußeren Enden des Griff-Spektrums. Federer hat den konservativsten Griff von allen, Djokovic hat den extremsten. Die restlichen Spieler befinden sich irgendwo dazwischen. Das alleine zeigt bereits, wie komplex und verschieden das moderne Tennis wirklich ist. In vermutlich keiner anderen Sportart gibt es so eine Bandbreite an Griffen.

Im "Lexikon der Griffe" habe ich eine präzise Methode zur Bestimmung der Griffe vorgestellt. Es ging darum, auf welcher der 8 Flächen sich Zeigefingerknöchel und Handballen (Kleinfingerballen) befinden. Diese Methode nutzen wir auch hier. Wer damit noch nicht vertraut ist, sollte sich zunächst den Griffe-Thread durchlesen. Sonst wird das hier Gesagte schwer verständlich sein.


Die Flächen des Schlägers werden im Uhrzeigersinn durchnummeriert. Entscheidend ist die Position von Zeigefingerknöchel und Kleinfingerballen.

Jedem Griff ordnen wir im Folgenden 2 Zahlen zu. Die erste Zahl gibt die Fläche für den Fingerknöchel an, die zweite Zahl ist die Fläche für den Handballen. Diese numerische Bezeichnung ist unmissverständlich und wir müssen uns keine komplizierten Namen merken. Beispiel: Ein "3 / 3" heißt, dass sowohl Zeigefingerknöchel als auch Handballen auf Fläche 3 liegen.

Ich bin mir der Herausforderung dieses Vorhabens bewusst. Es ist nicht immer einfach, auf Fotos die genaue Position der beiden Schlüsselpunkte am Griff zu bestimmen. Man kann den Griff auch nicht einfach anhand der Schwungkurve ableiten, weil die Profis konservative und extreme Elemente im Schwung kombinieren.

Es gibt noch weitere Herausforderungen. Die Profis platzieren ihren Fingerknöchel und / oder ihren Handballen häufig auf den Kanten zwischen den Flächen. Einige Spieler spreizen ihre Finger etwas weiter auseinander, andere Spieler lassen sie nah beisammen. Manche Spieler haben ihre Hand vollständig am Griff, andere lassen einen Teil der Hand weg vom Griff. Außerdem spielen die Profis mit verschiedenen Griffstärken.

All diese Faktoren beeinflussen, wie sich die Hand mit dem Schlägergriff verbindet. Das macht die Analyse schwieriger. Dennoch: Wenn wir genau hinsehen, können wir hinreichend gute Urteile fällen und ein Grundgerüst bilden, das eine Menge Klarheit schafft. Klarheit zu einem Thema, das häufig missverstanden wird. Wir können jederzeit unsere Meinung zu einem Spieler revidieren, wenn wir bessere Bilder finden.

Ist der Griff wirklich so wichtig?

Einige von euch fragen sich vielleicht, warum ich so einen Aufwand mache und ob diese relativ kleinen Unterschiede zwischen den Spielern überhaupt bedeutsam sind. Denjenigen sei gesagt: Der Griff hat großen Einfluss auf die Treffpunkthöhe, die Schwungkurve, den Stand und die Schlagarm-Rotation.

Es handelt sich nicht um eine akademische Uebung, die wir hier machen. Wer verstehen will, wie die Topspieler die komplexen Bestandteile der modernen Vorhand zusammenbringen, muss mit den Unterschieden beim Griff beginnen. Sichtbare Unterschiede im Schwung sind direkt auf die Griffstruktur zurückzuführen. Und der Spielstil eines Spielers wird in hohem Maße vom Griff diktiert.
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31.05.2010 um 13:53 Uhr
#14
2. 1 Konservative Griffe

3 / 3 Griff


Der Griff von Roger Federer.

Wir beginnen mit dem konservativsten aller 7 Griffe. Anschließend arbeiten wir uns im Uhrzeigersinn um den Schlägerschaft herum, bis wir bei den extremen Griffen landen. Roger Federer spielt seine Vorhand mit dem 3 / 3. Sein Zeigefingerknöchel befindet sich mittig auf Fläche 3. Gleiches gilt für seinen Handballen. Das ist der konservativste Griff, den man auf der Tour findet. Radek Stepanek und Juan Martin del Potro nutzen ihn neben Federer. Tim Henman und Pete Sampras spielten ebenfalls damit.

Die Handfläche und die Schlagfläche sind bei diesem Griff so direkt wie möglich aufeinander ausgerichtet. Mit anderen Worten: Die Handfläche ist genau hinter dem Schläger. Deshalb sind Treibschläge so einfach mit diesem Griff.

Die Spieler tendieren dazu, ihren Zeigefinger etwas abzuspreizen, sodass eine kleine Lücke zu den anderen Fingern entsteht. Pete, Tim und Roger umgreifen den Schaft zudem sehr weit unten. Ein Teil ihrer Hand befindet sich gar nicht am Griff. Del Potro hat seine Hand hingegen vollständig am Schläger (Klick). Auch er spielt mit dem 3 / 3.

Dieser Griff wird gewöhnlich mit aggressiven Spielertypen in Verbindung gebracht. Sampras und Henman praktizierten bevorzugt Serve-and-Volley, vor allem auf Rasen. Aber auch von der Grundlinie kann man viel Druck machen. Del Potro und Federer stehen tendenziell nah an der Grundlinie und schlagen viele (oder sogar die Mehrzahl) ihrer Vorhände aus dem offenen Stand.
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#15
3 ½ / 3 Griff

Wie ich bereits angedeutet habe, kann der Fingerknöchel und / oder der Handballen der Profis auch zwischen zwei Flächen liegen. Das ist bei unserem zweiten Griff der Fall, den wir 3 ½ / 3 nennen. Mario Ancic (Klick) und Elena Dementieva (Klick) scheinen damit zu spielen. Der Fingerknöchel verschiebt sich ein klein wenig nach unten, sodass er genau auf der Kante zwischen Fläche 3 und Fläche 4 liegt. Der Handballen bleibt auf Fläche 3.

Roger Federer hat früher einmal mit diesem Griff gespielt. Er ist mittlerweile aber auf einen 3 / 3 umgestiegen. Wann genau er diese Umstellung gemacht hat, kann ich nicht sagen. Die Tennis-Szene wurde erstmals beim Turnier von Indian Wells 2009 darauf aufmerksam.

In der Fachwelt gibt es unterschiedlichste Bezeichnungen für den 3 ½ / 3. Einige sprechen vom "modifizierten Eastern", andere bereits von einem "milden Semi-Western", und wieder andere nutzen die Bezeichnung "Hybrid-Griff". Die Terminologie kann verwirrend sein. Wichtiger als die Namen ist das Verständnis, wie die Hand den Schläger umfasst. Deshalb ist die numerische Bezeichnung einfach klarer.

Der Griff ist geeignet für vielseitige Allround-Spieler. Er erlaubt ihnen, den Ball früh zu nehmen und offensiv zu spielen. Der Uebergang zum Volleygriff ist nicht allzu groß. Spieler mit extremeren Griffen tun sich beim Griffwechsel gewöhnlich etwas schwerer. Aus diesem Grund ist der 3 ½ / 3 ein guter Vorhandgriff, um ein ausgewogenes Angriffsspiel zu entwickeln.
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04.06.2010 um 10:37 Uhr
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02.06.2010 um 12:10 Uhr
#16
4 / 3 Griff

Mit diesem Griff spielte Andre Agassi. Als er vor 20 Jahren die Tennis-Szene aufmischte, wurde sein Vorhandgriff so extrem wie seine Mähne und seine Klamotten angesehen. Heute würde man seinen Griff als einen der konservativen Vorhandgriffe bezeichnen. Allein daran sieht man, welchen Entwicklungsprozess Tennis durchlaufen hat. Heutzutage besteht der Profi-Sport aus langen Ballwechseln weit hinter der Grundlinie, gespielt mit unglaublich viel Topspin.

Agassi war bekannt dafür, nah an der Grundlinie zu stehen, den Schritt nach vorne zu machen und den Ball im Steigen zu spielen. Sein Vorhandgriff war die Basis, die ihm das ermöglichte. Sein Fingerknöchel war auf Fläche 4 (Klick), sein Handballen lag auf 3 (Klick). Es ist der erste Griff, bei dem einer der beiden Referenzpunkte teilweise unter dem Schaft ist und nicht mehr vorwiegend hinter dem Schaft.

Als Andre die Tennisplätze dieser Welt eroberte, sprachen die Kommentatoren über seinen enormen Topspin im Vergleich zu Spielern wie McEnroe oder Connors. Heute würden sie das nicht mehr tun. Studien haben gezeigt, dass Andre seine Vorhand durchschnittlich mit etwa 1800 Ballumdrehungen / Minute spielte. Das sind rund 30 % weniger als bei einem Andy Roddick, der im Durchschnitt auf etwa 2700 Umdrehungen / Minute kommt. Im modernen Tennis wird Agassi als ein Spieler gesehen, der den Ball hart und flach geschlagen hat. Auch das zeigt auf beeindruckende Weise, wie sich der Tennis-Sport verändert hat.

Agassis Griff ist entscheidend für seinen Spielstil. Es gibt zwei technische Besonderheiten, die ihn von den Semi-Western-Spielern abheben. Erstens: Der 4 / 3 eignet sich ideal für Treffpunkte zwischen Taille und Schulterhöhe. Das ist jene Höhe, welche die meisten Bälle erreichen, wenn sie die Grundlinie passieren. Zweitens: Agassis Griff ist vereinbar mit dem neutralen Stand. Spieler mit extremen Griffen haben eine stärkere Oberkörperrotation. Sie haben Probleme, den Schritt nach vorne zu machen und den Ball im Steigen zu spielen, weil der vordere Fuß die Körperrotation blockiert. Wäre Agassis Griff nur ein klein wenig extremer gewesen, hätte er nicht in der Art und Weise spielen können, in der er spielte.

Es gibt noch ein paar andere Spieler, die mit dem 4 / 3 spielen. Andy Murray zum Beispiel: Klick1, Klick2. Auch Andy kann die Bälle (wenn er will) früh nehmen und wuchtige Schläge mühelos aussehen lassen. James Blake ist weiteres Beispiel: Klick1, Klick2. Oder auch Maria Sharapova: Klick1, Klick2.

Der 4 / 3 findet sich bei Spielern, die technisch einen relativ kompakten Stil haben. Das heißt weniger Torso-Rotation, aber auch weniger Hand- und Armrotation. Gleichwohl erlaubt der Griff, die Rotation von Torso und Schlagarm gegebenenfalls zu erhöhen. Agassi machte das gewöhnlich bei hohen Bällen aus dem offenen Stand. Murray und Blake haben aus dieser Option eher die Norm gemacht. Das alles sind wichtige Punkte für das Verständnis dieses Griffs.
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07.06.2010 um 13:41 Uhr
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04.06.2010 um 10:43 Uhr
#17
Was Amateure mit Roger Federer verbindet

Auf Profi-Level werden die konservativen Griffe mit Spielern assoziiert, die einen aggressiven Spielstil haben. Sie sind Allrounder oder stehen nah an der Grundlinie, um die Bälle im Steigen zu spielen. Einige der talentiertesten Spieler der jüngeren Tennisgeschichte spielen einen konservativen Griff: Sampras, Federer, Agassi. Das ist kein Zufall.

Diese Griffe haben einen niedrigeren Treffpunkt. Das bedeutet wiederum, mehr Bälle im Aufsteigen spielen zu müssen. Das moderne Tennis ist durch extremen Topspin und hohe Ballgeschwindigkeiten gekennzeichnet. Nur wenige Spieler verfügen über ein so konstant perfektes Timing, welches man zum frühen Treffen braucht. Das ist der Grund, warum so viel mehr Profis auf die extremen Griffe zurückgreifen. Nur die talentiertesten Profis haben einen konservativen Griff.


Roger Federer steht nah an der Grundlinie
und nimmt die Bälle im Steigen.


Paradoxerweise trifft das genaue Gegenteil zu, wenn wir den durchschnittlichen Klubspieler betrachten. Für die meisten Freizeitspieler auf diesem Planeten sind die konservativen Griffe besser geeignet. In dieser Hinsicht hat ein durchschnittlicher Klubspieler etwas mit Ausnahmesportlern wie Roger Federer gemeinsam. Wie ist das möglich?

Es hängt mit der Höhe des Treffpunkts zusammen. Roger Federer kontrolliert seine Treffpunkthöhe, indem er den Ball früh nimmt. Dadurch verhindert er, dass der Ball zu hoch und damit über seine optimale Treffpunktzone hinaus springt. Im Optimalfall geschieht sein Ballkontakt auf Höhe der Taille. Das entspricht der natürlichen Treffpunkthöhe der allermeisten Freizeitspieler, denn auf diesem Level wird mit viel weniger Topspin gespielt.

Die extremen Griffe im Profi-Tennis haben weniger mit irgendwelchen technischen Vorteilen zu tun. Sondern vielmehr damit, dass die Bälle so viel höher gespielt werden müssen. Wer Tennis als Leistungssport betreibt und bevorzugt weit hinter der Grundlinie spielt, für den kann es sinnvoll sein, einen Griff à la Rafael Nadal zu wählen. Wer lediglich das Ziel verfolgt, Klubmeister zu werden, für den ist Roger Federer eher der richtige Mann.
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08.06.2010 um 10:21 Uhr
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07.06.2010 um 13:49 Uhr
#18
2. 2 Extreme Griffe

4 / 3 ½ Griff

Der Zeigefingerknöchel liegt bei diesem Griff auf Fläche 4. Der Kleinfingerballen befindet sich auf der Kante zwischen den Flächen 3 und 4. Auf der Herrentour ist dies vermutlich der gebräuchlichste Vorhandgriff. David Nalbandian, Fernando Gonzalez, Juan Carlos Ferrero und Lleyton Hewitt (Klick1, Klick2) sind nur einige Beispiele. Auch bei Dinara Safina habe ich diesen Griff gefunden: Klick1, Klick2.

Wenn wir uns den Griff genauer ansehen, erkennen wir, dass sich die Balance verschoben hat. Ein Großteil der Handfläche befindet sich nun unter dem Schlägergriff. Das ist ein gewichtiger Unterschied zu den ersten drei Griffen, bei denen sich die Hand maßgeblich hinter dem Schlägergriff befindet.

Die Konsequenz: Wenn der Spieler durch die Treffpunktphase schwingt, bekommt der Schläger automatisch mehr Schub nach oben. Die Schwungkurve wird steiler und mehr Topspin wird möglich. Trotzdem ist man mit diesem Griff flexibel. Man kann den Ball auch flach schlagen.

Der 4 / 3 ½ hat gravierenden Einfluss auf die Technik. Mit diesem Griff ist es nicht länger angenehm, den Schritt nach vorne zu machen und aus dem neutralen Stand zu spielen. Die Torso-Rotation ist im Allgemeinen größer als bei den weniger extremen Griffen. Spieler, die mit diesem Griff spielen, zeigen am Schlagende mit der rechten Schulter teilweise oder sogar ganz nach vorne zum Netz (Klick). Mit dem neutralen Stand ist das unmöglich. Es sei denn, der vordere Fuß dreht sich in der Mitte des Schwungs vom Platz weg und macht den Weg frei (Klick).

Der neutrale Stand und dieser Griff harmonieren nicht. Deshalb wird man Profis, die den 4 / 3 ½ haben, auch nicht wie Agassi spielen sehen. Sie machen selten den Schritt zum Ball. Einige von ihnen (z. B. David Nalbandian) stehen nah an der Grundlinie und nehmen den Ball im Steigen. Aber sie tun dies vornehmlich aus dem offenen Stand. Und Nalbandian scheint auch eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Diese Spieler machen nur dann den Schritt zum Ball, wenn er niedrig ist. Und sie schauen ungelenk dabei aus (Klick).

Daneben gibt es noch einen zweiten Bereich, auf den dieser Griff gravierenden Einfluss hat: Die Hand- und Armrotation. Spieler, die den 4 / 3 ½ spielen, haben tendenziell eine stärkere Hand- und Armrotation im Schwung. Bei den meisten Bällen drehen sie ihren Schlagarm ca. 180 Grad. Die Drehung ist Teil der natürlichen Streckung im Schwung. Das ist ein weiterer Grund, warum der Schwung bei niedrigen Bällen etwas ungelenker aussieht als bei Spielern mit weniger extremen Griffen.
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08.06.2010 um 09:51 Uhr
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07.06.2010 um 13:58 Uhr
#19
Warum ist der 4 / 3 ½ der vorherrschende Griff?

Der große Vorteil des 4 / 3 ½ besteht darin, dass man hohe Bälle (Schulterhöhe oder sogar leicht darüber) viel leichter spielen kann. Die natürliche Treffpunktzone ist höher. Das hilft den Spielern, mit den hoch abspringenden Bällen umzugehen, die Folge des unglaublichen Spin-Levels im Profi-Tennis sind. Zusätzlich sind die Spieler im Treffpunkt tendenziell mit beiden Füßen in der Luft.

Die extremen Griffe und die "Explosion" nach oben sind Mittel, um die Treffpunkthöhe zu kontrollieren. Beides zusammen erlaubt den Profis, so viele Bälle wie möglich innerhalb ihrer optimalen Treffpunktzone zu schlagen.

Ein weiter Vorteil des 4 / 3 ½ besteht darin, dass man noch mehr Topspin erzeugen kann. Er erlaubt den Spielern, ihre Gegner in wahre Topspin-Schlachten zu verwickeln. Das ist typisch für die meisten Herrenmatches heutzutage. Man darf sich allerdings zu keinem Trugschluss verleiten lassen. Spieler wie Fernando Gonzalez können jederzeit auch gewaltige "Kanonen"-Schläge spielen. Aber typischerweise wird der Griff mit großen Schwüngen, hohen Treffpunkten, viel Spin und einer Position weit hinter der Grundlinie in Verbindung gebracht.
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09.06.2010 um 13:50 Uhr
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08.06.2010 um 09:57 Uhr
#20
4 / 4 Griff

Fingerknöchel und Handballen liegen bei diesem Griff auf der vierten Fläche. Zwei gute Beispiele sind Andy Roddick (Klick1, Klick2) und Tommy Robredo (Klick1, Klick2). Das Schwungmuster ist dem 4 / 3 ½ ziemlich ähnlich. Da die Hand allerdings noch ein klein wenig weiter unter dem Schlägergriff ist, liegt die maximale Höhe der Treffpunktzone noch etwas weiter oben. Andy Roddick kann daher problemlos schulterhohe Bälle schlagen. Auch ein Treffpunkt oberhalb der Schultern ist kein Problem.

Bei den Damen spielt u. a. Svetlana Kuznetsova mit diesem Griff: Klick1, Klick2.

Der 4 / 4 begünstigt eine weitere Zunahme der Hand- und Armrotation. Die Spieler können nach vorne zum Ziel schwingen und erreichen die universelle Schlussposition, die wir identifiziert haben. Aber es ist praktisch unmöglich, den Schlagarm währenddessen nicht zu rotieren. Bei buchstäblich jedem Ball drehen die Spieler ihre Hand 180 Grad oder mehr.

Enorm viel Spin ist die Folge. Aber auch eine hohe Ballgeschwindigkeit wird erreicht. Das kann jeder bezeugen, der einmal live gesehen hat, wie Andy Roddick auf den Ball prügelt. Der Griff hat allerdings auch seine Schwächen. Die Einschränkungen sind denen des 4 / 3 ½ recht ähnlich, nur etwas deutlicher.

Die unvermeidbare Armrotation bereitet Probleme, wenn die Spieler den Ball einmal flacher schlagen wollen. Auch tiefe Treffpunkte sind ungünstig. Das ist der Grund, warum sich Spieler mit dem 4 / 4 hinter der Grundlinie meistens am wohlsten fühlen. Wegen der höheren Treffpunktzone können sie es sich erlauben, weiter hinten zu stehen und den Ball hochspringen zu lassen. Mit den Griffen von Sampras, Federer oder auch Agassi wäre das sehr schwer möglich.

Spieler, die den 4 / 4 nutzen, stehen von sich aus weiter hinten und verwickeln ihre Gegner in lange Topspin-Duelle. Sie bringen eine Menge Bälle zurück und nötigen ihrem Gegenüber viel Geduld ab. Sandwühler ist hier das Stichwort. Man spürt geradezu, wie sich fast die ganze Energie ihrer Schläge in Topspin auflöst. Auf schnelleren Belägen haben sie Probleme, genug Pace zu entwickeln, um mit den Topspielern von hinten mitzuhalten. Sie schwingen härter und härter, und können dennoch oftmals nicht genügend Tempo entwickeln. Ihr Griff ist einfach weniger geeignet, um offensives Grundlinientennis auf Weltklasse-Niveau zu spielen. Kuznetsova ist als Allroundspielerin eher die Ausnahme.
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09.06.2010 um 14:30 Uhr
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09.06.2010 um 14:00 Uhr
#21
4 / 4 ½ Griff

Das ist der Griff von Rafael Nadal und ein paar anderen Topspielern. Der Fingerknöchel liegt auf Fläche 4, der Kleinfingerballen ist auf der Kante zwischen Fläche 4 und 5. Beachtet, dass Nadal ein Linkshänder ist und es bei ihm die jeweils entgegengesetzten Flächen am Schläger betrifft. Nadals Knöchel ist auf 6, sein Ballen zwischen 5 und 6.


Der Griff von Rafael Nadal.

Wenn wir uns den Schwung von Nadal anschauen, ist es schwierig, klare Trennlinien zum 4 / 4 zu ziehen. Nadals Griff ist definitiv gut geeignet für hohe Bälle. Möglicherweise sogar noch ein klein wenig besser als der 4 / 4. Nadal hat keine Probleme mit ultrahohen Bällen. Selbst wenn er mit beiden Füßen in der Luft ist und er den Ball überhalb der Schultern trifft, hat er noch die volle Kontrolle.

Die Hand- und Armrotation ist bei den meisten Bällen tendenziell extremer. Es ist schwierig, definitive Unterscheidungen zwischen den Griffen zu machen. Denn die Profis besitzen die Fähigkeit, ihren Schlagarm bei praktisch allen Bällen zu rotieren. Selbst mit dem 3 / 3 von Federer geht dies.

Die Western-Spieler variieren die Rotation des Schlagarms etwas. Aber auch hier gilt: Die Rotation ist weniger eine Option, sondern vielmehr ein inhärenter Teil des Schlags. Sie ist notwendig, um den Schläger durch die Treffpunkt-Phase zu bringen. Nebenbei gesagt: Auch Nadal bekommt eine gute Streckung zum Ziel. Das sollte man nicht vergessen.

Wie wir wissen, schwingt Nadal den Schläger häufig über den Kopf aus. Das Racket bewegt sich steil aufwärts und anschließend nach hinten über den Schädel. Die Hand- und Armrotation ist dabei die gleiche, wie bei seinem Ausschwung zur Seite.
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14.06.2010 um 12:41 Uhr
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09.06.2010 um 14:24 Uhr
#22
4 ½ / 4 ½ Griff

Damit sind wir beim extremsten Griff im Profi-Tennis angelangt. Es ist der Griff von Novak Djokovic. Beim Serben liegen beide Referenzpunkte fast vollständig an der Unterseite des Schlägerschafts: Klick1, Klick2.

Dieser Griff ist vielleicht ein Grund dafür, warum Novak nicht sehr oft ans Netz kommt. Der Wechsel zum Volleygriff ist nämlich vergleichsweise riesig.

Novak variiert seine Schwungkurve möglicherweise stärker als andere Western-Spieler. Bei bestimmten Bällen schwingt er durch den Ball durch und zeigt den klassischen Ausschwung über die linke Schulter. Bei anderen Bällen rotiert er seinen Arm stärker und bekommt weniger Streckung. Deshalb kann seine Treffpunkt-Position variieren. Im Allgemeinen trifft er den Ball deutlich vor dem Körper.

Fazit zu den Griffen

Die Spieler mit extremen Griffen rotieren ihren Oberkörper etwas stärker. Gleiches gilt für ihren Arm. Sie bekommen oft eine genauso gute Streckung nach vorne wie Spieler mit konservativem Griff. Aber sie können den Schläger auch früher am Körper vorbei schwingen und weniger Vorwärtsstreckung erreichen. Alle Spieler machen den Schritt nach vorne, wenn der Ball tief ist. Bei Spielern mit extremen Griffen wird dabei allerdings die Körperrotation blockiert. Deshalb kommt ihr vorderer Fuß früher nach oben als bei den konservativen Spielern.

Diese Faktoren variieren je nach Spielstil, Platz und Gegner. Die Profis nutzen die Elemente in verschiedenen Situationen in verschiedenen Kombinationen. Von den körperlichen Unterschieden zwischen den Spielern ganz zu schweigen. Zwei Spieler können den gleichen Griff und ähnliche Schwünge haben, aber nicht notwendigerweise gleichartige Bälle auf die gleiche Weise schlagen.

Generell können wir festhalten: Je weiter die Hand unter dem Schlägergriff ist,
- umso besser kann man mit sehr hohen Bällen umgehen
- umso mehr Hand- und Armrotation ist zu beobachten
- umso weiter hinten stehen die Spieler tendenziell
- umso weniger komfortabel ist der neutrale Stand

Man kann nicht sagen, dass ein bestimmter Profi-Spieler mit einem anderen Griff zwangsläufig besser wäre. Quantitative Studien können vielleicht irgendwann einmal beantworten, welche Spieler die größte Schlägerkopf-Geschwindigkeit haben. Oder welche Beziehung zwischen der Schlägerkopf-Geschwindigkeit, der Schwungkurve, der Ballgeschwindigkeit, dem Spinanteil etc. besteht. Aber solange wir Federer und Nadal nicht klonen und mit ihren Griffhaltungen experimentieren können, solange basieren die Vor- und Nachteile der einzelnen Griffe zu einem Großteil auf Meinungen und Erfahrungen.
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16.06.2010 um 15:52 Uhr
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14.06.2010 um 12:44 Uhr
#23
III. RUECKSCHWUNG

Der Rückschwung ist der komplizierteste und vielfältigste Teil der modernen Vorhand. Keine zwei Spieler haben den gleichen Rückschwung. Es gibt verblüffend viele Möglichkeiten hinsichtlich Form und Größe des Rückschwungs. Eine einfache Beschreibung ist nicht möglich. Es gibt gewisse Gemeinsamkeiten, die wir identifizieren werden. Aber es gibt auch erhebliche Unterschiede. Es braucht viel Zeit und Geduld, um alles genau zu verstehen.

6 Komponenten des Rückschwungs

Es gibt nicht weniger als 6 Komponenten, die in den Rückschwung einfließen. Alle sechs können von Spieler zu Spieler stark variieren:

1. Die Bewegung nach oben (die Höhe des Rückschwungs)
2. Die Bewegung nach hinten, oder weg vom Körper
3. Die Bewegung zur Seite, sowohl auf dem Weg nach oben als auch auf dem Weg nach unten
4. Das Drehen der Schlagfläche während der Bewegung nach oben
5. Das Schließen der Schlagfläche während der Bewegung nach unten
6. Der Zeitpunkt, zu dem die Schlagarm-Position erreicht wird

Es wird häufig gesagt, dass der Rückschwung eine Frage des persönlichen Stils ist. Das ist sicherlich richtig. Es bedeutet aber nicht, dass man diesen Teil des Schlags vernachlässigen kann. Man muss die Unterschiede schon verstehen, um für sich selbst richtige Entscheidungen im Hinblick auf Form und Größe treffen zu können.
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14.06.2010 um 12:49 Uhr
#24
3. 1 Größe des Rückschwungs

Wenn 2 Tennisspieler sich über die Größe des Rückschwungs unterhalten, meinen sie in erster Linie die Höhe. Der Schläger bewegt sich aber nicht nur nach oben. Er bewegt sich auch nach hinten und - in geringerem Umfang - zur Seite. Es handelt sich um eine dreidimensionale Bewegung.

Betrachten wir zunächst die Höhe. Dabei stellt sich schon das erste Problem. Wonach bemisst man die Höhe? Schaut man auf die Höhe der Schlaghand oder auf die Höhe der Schlägerspitze? Das ist nämlich nicht das selbe.



Nimmt man die Schlaghand zum Maßstab, ergibt sich folgendes Bild: Bei Fernando Gonzalez und Andy Murray gelangt die Hand am höchsten. Gonzalez hebt sie regelmäßig so weit an, dass sie über den Kopf gelangt. Bei Murray ist die Hand zumeist deutlich oberhalb der Schultern.

Federers Hand bleibt in der Regel leicht unterhalb der Schultern. Es geht aber noch niedriger: Tommys Hand gelangt meist nur bis auf Brusthöhe. Er hat die niedrigste Handposition von allen. Aber ist seine Schlägerspitze deshalb zwangsläufig auch am niedrigsten? Nein. Tommys Schlägerspitze gelangt auf eine vergleichbare Höhe wie die von Roddick. Der Amerikaner erreicht dies jedoch mit einer deutlich höheren Handposition. Seine Hand ist leicht über Schulterhöhe!

Mit Haas und Roddick haben wir zwei Spieler, deren Schlägerspitze die gleiche Höhe erreicht, jedoch mit unterschiedlich hohen Handpositionen. Es geht auch umgekehrt: Zwei Spieler können die gleich hohe Handposition haben, während die Höhe ihrer Schlägerspitze abweicht. Vergleicht Roddick und del Potro. Beide haben ihre Hand leicht oberhalb der Schultern. Aber del Potros Schlägerspitze ist deutlich weiter über dem Kopf.

Wie ist das möglich? Nun: Die Höhe der Hand und die Höhe der Schlägerspitze sind zwei voneinander unabhängige Variablen. Roddick neigt den Schläger im höchsten Punkt der Bewegung nach vorne. Del Potro hält sein Racket hingegen fast vertikal. Dadurch ist seine Schlägerspitze höher.

Bei allen Spielern zeigt die Schlägerspitze im höchsten Punkt des Rückschwungs in eine etwas andere Richtung. Mal sind die Unterschiede geringer, mal sind sie größer. Der Schläger kann annähernd vertikal sein, er kann nach vorne, nach hinten oder leicht zur Seite geneigt sein.

Eine hohe Handposition bedeutet noch nicht, dass auch die Schlägerspitze in einer hohen Position ist. Ein Spieler kann eine relativ hohe Handposition und dennoch eine niedrige Schlägerposition haben. Es kommt auf den "Anstellwinkel" des Schlägers an.

Jeder Spieler verfügt über eine individuelle Kombination aus Hand- und Schlägerhöhe. Zusammenhänge zu den verschiedenen Griffen lassen sich nicht herstellen.
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15.06.2010 um 09:54 Uhr
#25
3. 2 Bewegung nach hinten

Als nächstes wollen wir untersuchen, wie weit sich der Schläger nach hinten bewegt. Einige Spieler schwingen eindeutig weiter nach hinten als andere. Und alle scheinen ihren hintersten Punkt im Schwung zu etwas anderen Zeitpunkten zu erreichen. Es gibt auch wieder deutliche Unterschiede in der Position der Hand und des Schlägers.



Der Schlagarm von Murray und Monfils ist im hintersten Punkt des Rückschwungs fast gerade. Die beiden scheinen ihren Arm stärker auszustrecken als die meisten anderen Spieler. Ihre Schlaghand befindet sich in diesem Moment etwa auf Schulterhöhe. Die Schlägerspitze zeigt bei beiden nach hinten und nach oben. Bei Monfils ist die Schlagfläche stärker geschlossen als bei Murray.



Auch bei Haas ist die Schlagfläche etwas stärker geschlossen. Wenn er den hintersten Punkt im Rückschwung erreicht, ist seine Hand deutlich unterhalb der Schultern. Wir hatten ja bereits festgestellt, dass er die Hand nicht so stark anhebt wie beispielsweise Murray. Safin bewegt seinen Schlagarm nicht so weit nach hinten wie Tommy. Marats Schläger bleibt weiter rechts vom Körper.



Die Damen nehmen das Racket tendenziell weiter zurück. Bei Ivanovic und Safina ist der gesamte Schlägerkopf links vom Körper. Bei den Herren zeigt die Schlägerspitze nach rechts oben, bei Ivanovic und Safina zeigt sie nach links oben.

Die Unterschiede in der Rückwärtsbewegung scheinen in keinem Zusammenhang zum Griff oder irgendeinem anderen Faktor im Rückschwung zu stehen.
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16.06.2010 um 15:47 Uhr
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16.06.2010 um 12:04 Uhr
#26
3. 3 Bewegung zur Seite

Als nächstes untersuchen wir, wie stark die Profis Hand und Schläger während des Rückschwungs nach rechts und links bewegen. Die Seitwärtsbewegung ist weitaus geringer als die Aufwärts- und die Rückwärtsbewegung. Deshalb ist sie schwieriger zu beobachten. Es kommt auch darauf an, ob und wie stark man die Schlagfläche schließt (Anm.: schließen bedeutet, die Saiten ganz oder teilweise zum Boden zu drehen).

Folgende Tendenz lässt sich erkennen: Je weniger der Spieler die Schlagfläche schließt, umso weiter bewegt er den Schläger zu Beginn des Rückschwungs nach rechts. Und umso stärker wird er ihn anschließend auch wieder zurück nach links bewegen. Umgekehrt gilt: Je stärker der Spieler die Fläche schließt, umso weniger bewegt er den Schläger zunächst nach rechts. Und dementsprechend weniger Linksbewegung findet anschließend statt.

Beispiel: Tommy Haas



Haas lässt die Schlagfläche anfangs fast komplett geöffnet. Bei ihm bewegt sich der Schläger zu Beginn des Rückschwungs am weitesten vom Körper weg nach rechts. Anschließend bewegt er ihn zurück nach links. Im Abschwung setzt sich die Bewegung nach links fort. Dabei schließt er die Schlagfläche. Später mehr dazu.
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#27
Beispiel: Andy Roddick



Roddicks Schlagfläche ist zu Beginn deutlich stärker geschlossen. In der Folge bewegt sich sein Schläger nur minimal nach rechts und links.

Die restlichen Spieler befinden sich irgendwo dazwischen. Ihr Schläger bewegt sich eine gewisse Distanz nach rechts und anschließend zurück nach links. Safin ist eine Ausnahme. Er dreht die Fläche in etwa so stark wie Roddick und hat dennoch eine beachtliche Seitwärtsbewegung im Schwung.

Wenn wir uns die Seitwärtsbewegung anschauen, müssen wir aber erneut unterscheiden, wie weit sich die Hand bewegt und in welche Richtung Hand und Schläger zeigen. Roddicks Hand bewegt sich zwar nur minimal zur Seite, aber seine Schlägerspitze gelangt im hinteren Teil des Rückschwungs trotzdem weit nach rechts. Wenn er nach unten schwingt, zeigt seine Schlägerspitze weiter nach rechts, als bei den meisten anderen Spielern. Ganz einfach deshalb, weil seine Hand in diese Richtung zeigt.

Auch in diesem Punkt gilt: Das Ausmaß der Seitwärtsbewegung ist unabhängig vom Griff. Es gibt keine einfache Erklärung für die Unterschiede zwischen den Spielern bei den drei Komponenten, die wir bislang untersucht haben.
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#28
Beispiel: Juan Martin del Potro



Auch in dieser Bilderserie könnt ihr die Seitwärtskomponente im Rückschwung sehr schön nachvollziehen. Ich habe eine Linie von del Potros Zehenspitzen nach oben gezogen. Juan lässt die Schlagfläche geöffnet. Ihr könnt erkennen, wie sich Hand und Schläger zunächst deutlich von der Linie wegbewegen und anschließend wieder zurück zum Körper kommen.
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#29
3. 4 Schlägerrotation

Im Folgenden geht es darum, wie stark die Spieler ihren Schläger rotieren, während sie ihn nach oben schwingen. Mit "rotieren" meinen wir, dass sie die Schlagfläche gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Einige Spieler drehen den Schlägerkopf nur geringfügig (z. B. Agassi), andere drehen ihn um fast 180 Grad (z. B. Gonzalez).

Selbst in Super-Zeitlupe ist die Drehbewegung nur schwer zu erkennen, da die Spieler den Schlägerkopf gleichzeitig nach oben bewegen. Aber ihr könnt es sehen, indem ihr den Rahmen des Schlägers einmal beobachtet. Schaut euch im folgenden Video an, wie sich der Rahmen von Gonzalez dreht: Fernando Gonzalez - Vorhand

Und nun vergleicht dies mit Agassi: Vorhandvergleich: Agassi / Gonzalez

Agassi dreht den Schläger solange, bis die Schlagfläche zur seitlichen Tribüne zeigt. Ganz anders Gonzalez. Der Chilene dreht seinen Schläger noch einmal gut 90 Grad weiter. In Sekunde 0:09 zeigt Fernandos Schlagfläche zur Seite. Das ist der Moment, in dem die Rotation bei Agassi aufhört. Nicht so beim Chilenen. Gonzalez dreht das Racket solange weiter, bis die Schlagfläche zum hinteren Zaun zeigt!

Beeinflusst diese zusätzliche Drehung das Aussehen des Rückschwungs? Die Antwort lautet "möglicherweise". Die Drehung kann den Umfang der Seitwärtsbewegung reduzieren. Roddick ist ein weiteres Beispiel neben Gonzalez. Beim Amerikaner ist die Seitwärtskomponente im Rückschwung minimal. Er führt den Schläger sehr nahe am Körper nach oben und macht während des Abschwungs nur eine geringfügige Bewegung nach links. Auch bei ihm sieht man eine ausgeprägte Drehbewegung.

Das gilt allerdings nicht für alle Spieler. Safin ist eine Ausnahme. Der Russe dreht den Schläger ähnlich stark wie Roddick, aber er bewegt ihn auf dem Weg nach oben auch sichtbar nach rechts. Er bewegt ihn wieder zurück nach links, ehe er den höchsten Punkt erreicht. Während des Schwungs nach unten setzt sich die Linksbewegung fort.



Wir halten fest: Es sieht so aus, als könnten einige Spieler ihre Seitwärtsbewegung reduzieren, indem sie die Schlagfläche stärker schließen / drehen. Aber ist das wirklich ein Vorteil? Eine gute Frage, für die es keine einfache oder offensichtliche Antwort gibt.
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#30
3. 5 Schließen der Schlagfläche im Abschwung

Womit wir beim fünften Faktor angelangt sind. Während sich der Schläger vom höchsten Punkt ausgehend nach unten bewegt, kann sich die Schlagfläche abermals drehen. Einige Spieler schließen die Fläche komplett, andere nahezu gar nicht.

Bei Roddick, Haas und Monfils zeigen die Saiten im Abschwung manchmal komplett zum Boden. Bei Murray und Safin fehlt nicht viel dazu. Bei Agassi ändert sich der Winkel der Schlagfläche in der Abwärtsbewegung hingegen nur geringfügig im Vergleich zum höchsten Punkt.


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