Petra Philippsen: o weh DTB - nur Baustellen
Es hatte in diesem Jahr viele Schlagzeilen um das deutsche Tennis gegeben, oft waren es negative. Dabei sollte doch alles anders werden, als der neue DTB-Präsident Karl-Georg Altenburg vor einem Jahr ins Amt gewählt wurde. Große Ankündigungen hatte es gegeben, von ihm und seinem neuen Präsidium. Man wolle die zerstrittenen Parteien im Verband wieder zusammenbringen, viel kommunizieren, und das darbende deutsche Tennis auf einen vielversprechenden neuen Weg bringen. Man hatte große Ambitionen. Was ist heute davon geblieben? Nicht viel.
Große Worte, wenig dahinter
Es war ein verlorenes Jahr für den DTB und das in jeder Hinsicht. Statt die dringend nötigen Veränderungen anzuschieben, gab es Stillstand. Gefühlt war es sogar ein Rückschritt. Mehr als die großen Ankündigungen hatte Altenburg nicht zu bieten gehabt. Über Monate hinweg war keine Linie erkennbar, kommuniziert wurde wenig bis gar nicht, besonders nicht mit den Medien. Dafür wuchs intern der Unmut bei vielen Altgedienten, vor allem über den Geschäftsführer Stephan Brune. Der polarisierte gewaltig, vergrätzte offenbar auch ein paar Sponsoren, wollte aber dafür die Lorbeeren für den Porsche-Deal einstreichen und musste sich immer wieder der Kritik an seinem lukrativen Jahresgehalt von geschätzten 200.000 Euro stellen. Altenburg hatte sich stets vor seinen Spezi gestellt, betont, dass man für gute Leute eben gutes Geld zahlen müsse. Doch nun wurde der Widerstand gegen Brune in den Verbänden zu groß, er musste gehen.
Am Sonntag fand nun die Mitgliederversammlung des DTB statt, und Altenburg musste sich stellen. Der Präsident zog eine "gemischte Bilanz" seines ersten Jahres und musste zugeben, dass es "ein längerer und steinigerer Weg, als wir gedacht hatten", sei. Dass sich ein ehemaliger Manager einer weltweit operierenden Bank so hatte überraschen lassen, wirkt doch etwas unglaubwürdig. Zumal sich Altenburg nicht nur mit Carl-Uwe Steeb einen kompetenten Insider an die Seite holte. Ein Händchen für die richtigen Worte hatte der Präsident bisher nicht bewiesen, für die richtigen Zeichen auch nicht. Die Mitgliederversammlung fand im prächtigen Saal eines Fünfsterneholtels in Bad Neuenahr statt, obwohl der DTB schon lange marode ist und der Glanz nur noch an früher erinnert.
Schuldzuweisung statt Selbstkritik
So fiel die Selbstkritik des neuen Mannes an der Spitze denn auch extrem kurz aus. Fehler habe er gemacht, das gab Altenburg zu, und ein paar Dinge wohl unterschätzt und zu hohe Erwartungen geweckt. Das war es dann aber auch, viel lieber wollte Altenburg dann in seiner Rede seinem Vorgänger Georg von Waldenfels die Schuld zuschieben. "Furchtbare Verhältnisse" habe er übernommen, "was wir vorgefunden haben, war wesentlich schlimmer, als wir gedacht haben." Wie das schlechte Verhältnis zur ATP, mit der man sich immer noch im Rechtsstreit befindet. Dennoch klingt es nach zwölf Monaten wie eine Ausrede Altenburgs und nach schlechtem Stil.
Man hatte weit mehr von ihm erwartet: Wie den viel zu lange schwelenden Streit zwischen Patrik Kühnen und Philipp Kohlschreiber zu schlichten, doch Altenburg hatte ihn einfach ausgesessen. Mit den deutschen Profis hatte er bis zur Relegation in Hamburg nie das Gespräch gesucht, sondern sich lediglich über sie geäußert. Auch wie das baufällige Rothenbaum-Stadion in Hamburg mit leeren Kassen saniert werden soll, dazu legte Altenburg bis heute kein Konzept vor. Statt den Schwung des Neubeginns mitzunehmen und mit Inhalten auszufüllen, wurde die Stimmung innerhalb des Verbandes zusehends schlechter. Zuletzt schien die Lage zerstrittener und zerfahrener denn je. Baustellen über Baustellen. Die dringendste ist die Suche nach einem neuen Davis-Cup-Kapitän. Aber auch hier profilierte sich Altenburg bisher nicht. Ein paar Kandidaten stehen wohl zur Verfügung, doch von denen ist schon zu hören, dass mit ihnen aber nicht sonderlich intensiv verhandelt werde. Dabei wolle man laut Steeb in etwa zehn Tagen den neuen Teamchef präsentieren. Es wäre ein erster Schritt für den Neubeginn, es darf aber nicht der letzte sein.
Caroline Wozniacki

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